Raumfahrerei kotzt fett an, Tag 19
23.09.2998
Entfernung zur Erde: 6.525 Mio. km
Liebes Logbuch,
bei Allah dem Ewigen! Mir ist langweilig. Nachdem wir vor gefühlten dreihundert Lichtjahren unsere H-Tanks am Saturn aufgefüllt hatten, verlief die weitere Reise komplett ereignislos.
Dort, wo wir normalerweise erst Uranus und dann Neptun passiert hätten, passierten wir tatsächlich nichts und niemanden, da Uranus zufällig auf der anderen Seite des Sonnensystems herumumlaufbahnte und Neptun bekanntermaßen seit dem fünften Weltkrieg nicht mehr existiert.
Jetzt steuern wir auf Pluto zu. Pluto, der Ex-Planet. Pluto, der Grund für die Weltkriege Nr. 3 und 5. Pluto, der kleine Mistkrümel.
Die Geschichte der Weltkriege 3 und 5 ist noch heute für einen Lacher gut und strapaziert Lachmuskeln und -Membrane im gesamten Sektor. Die Geschichte geht so:
Vor rund 1.000 Jahren, genauer im Jahr 2006, einigten sich die weltraumforschenden Eierköppe der damaligen Zeit nach jahrelanger Diskussion darauf, dem bis-dato-Planeten Pluto den Planetenstatus abzuerkennen und ihm nur noch Zwergplanetenstatus zuzugestehen. Minizwergplanetoidchen Pluto. Weil er so klein sei, der süße.
Der Auslöser für diese völlig unsinnige Planetenstatusdebatte ist im historischen Kuddelmuddel verloren gegangen, führende Geschichtsschreiber gehen aber davon aus, dass es sich um einen massiven Fall von Rechthaberei und Profililierungssucht handelte.
Wie auch immer: Bei all der Streiterei wussten die primitiven Menschlein im Jahr 2006 noch nicht, dass es intelligentes Leben auf Pluto gab. Und sie wussten auch nicht, dass dieses intelligente Leben über Langstreckenüberwachungssysteme verfügte. Und die Debatte um den Status ihres kleinen, dunklen Heimatplaneten mit Interesse verfolgte.
Denn die Plutorianer waren neidisch. Nicht nur war ihr Planet kleiner, kälter und dunkler als die Erde, es gab auch keine Vegetation und die eigene Spezies war, im Vergleich mit der Menschheit, von ausgesuchter Hässlichkeit. Die Plutorianer lebten unter der Oberfläche ihres verhassten Pluto und bezogen alle Energie aus dem flüssigen Kern, ihr Wasser aus dem sie umgebenden Eis. Sie hatten Energie, Eis und Technik. Sonst nichts. Kein Wunder also, dass die Plutorianer mit den Jahrtausenden neurotisch und shizophren wurden. Und schließlich, als die verhassten Menschen in ihrer kindlichen Ahnungslosigkeit über den Status ihres Heimatplaneten entschieden, war es den hässlichen Männlein genug: Sie starteten eine Invasion zur Zerstörung der Erde.
Eine vergleichsweise lächerlich große Flotte unter dem Kommando von General Xerfflö, dem neurotischsten aller Plutorianer, machte sich im Jahr 2015 auf den Weg zum Neptun. Xerfflö zapfte das Gas des blauen Giganten fast vollständig ab, um daraus ein tödliches Giftgas zu mischen, mit dem er die ignoranten Erdlinge ins Jenseits befördern wollte. Alle auf einen Streich.
Nach neunjähriger Reise schwenkte Xerfflö endlich in die irdische Umlaufbahn ein und pumpte sein Giftgas in die Atmosphäre der völlig überraschten Terraner. Doch wie sich herausstellte, war das Giftgas überhaupt nicht giftig. Es war völlig harmlos. Mehr noch: Die Zusammensetzung war so ausgetüftelt und die Dosierung so exakt, dass das Gas dem sehr angeschlagenen Erdenklima zur Regeneration verhalf. Die Durchschnittsgesundheit aller Menschen stieg nach Xerfflös Angriff um 16 Prozent.
Trotz aller Dankbarkeit für die Dienste der Plutorianer werteten führende Militärs das Manöver korrekt als Angriff auf die menschliche Spezies. Sie beschlossen einen Gegenschlag. Und da Xerfflö siegesgewiss nur auf sein Giftgas gesetzt hatte, vernichteten unsere Atomraketen seine Flotte vollständig.
Das war der dritte Weltkrieg, aus dem unsere Erde gesünder und mit weniger Atomwaffen hervorging. Der vierte Weltkrieg soll aufgrund des globalen Verschwiegenheitsabkommens von 2181 hier keine Erwähnung finden. Für die Nummer 5 zeichneten jedoch wieder die Plutorianer verantwortlich. Nach fast 200 Jahren starteten sie einen erneuten Versuch, zapften Neptun schließlich leer und probierten ein anderes Gasrezept. Die neue Zusammensetzung war jedoch so instabil, dass sich die Flotte nach Eintritt in den Orbit selbst zerstörte - ein plurotianscher Mechaniker betätigte zu früh die Kontrolle zum Gasausstoß.
Spätestens jetzt nahmen die Weltführer die Bedrohung von Pluto ernst und starteten einen groß angelegten Plasmaraketenangriff. Nach wiederum neunjährigem Anflug schlugen die großen Raketen auf dem kleinen Pluto ein, schmolzen alles Eis und hinterließen eine wasserlose, kalte Wüste. Die Plutorianer starben binnen kurzer Zeit aus.
Und das war der fünfte Weltkrieg.
Puh. Tut gut, sich mal etwas auszuschreiben… und wenn’s nur trockene Geschichte ist. Jetzt rufen die Lachsröllchen.
Turf